Bodybuilding FrühlingszwiebelBei vielen Mädchen ist Krafttraining immer noch verpönt. Oft werde ich mit Aussagen wie „Ihh, ich will doch kein Mannsweib werden“ oder „Pass auf, am Ende siehst du noch aus wie ein Bodybuilder“ konfrontiert. Warum man nicht einfach über Nacht zum Muskelberg wird, lest ihr hier.

Ich dachte, die Vorurteile sind mittlerweile ausgeräumt, weil es schon genug Berichte zu dem Thema gibt, aber anscheinend liege ich da falsch. Seit ich angefangen habe mit Gewichten zu trainieren, werde ich aber sehr oft mit Vorurteilen und seltsamen Aussagen konfrontiert. Und deswegen habe ich mich entschlossen, das Ganze nochmal auf den Tisch zu bringen.
Es gibt zwei Gründe warum Frauen sich nicht trauen Krafttraining zu machen: Zum einen weil sie sich vor den Männern im Freihhantelbereich fürchten (hier mein Beitrag über die Testosteron Hölle). Zum anderen weil sie befürchten quasi über Nacht selbst zum Mann zu werden.

Jetzt mal ehrlich, wie kommt ihr denn darauf? Glaubt ihr wirklich es gäbe Menschen die Unmengen an Geld für Supplements ausgeben würden, wenn man Muskeln mehr oder weniger als unerwünschten Nebeneffekt aufbauen könnte? Ich glaube es gibt Tausende die sich wünschen würden früh aufzuwachen und plötzlich einen muskulösen Körper zu haben, aber so einfach ist es leider nicht. Und genau deshalb besteht gerade für Frauen auch keine Gefahr.

Das hängt mit verschiedenen Faktoren zusammen:

1: Testosteronhaushalt
Auch Frauen verfügen über das Sexualhormon Testosteron (ebenso wie Männer auch Östrogen in sich tragen). Der Unterschied liegt in der Konzentration, Frauen haben aber nur etwa ein Zehntel des Testosteronhaushaltes eines Mannes. Da Testosteron unter anderem über eine anabole (= muskelaufbauende) Wirkung verfügt, wird es also sehr schwer in gleicher Weise Muskeln aufzubauen wie ein Mann, wenn nicht gar unmöglich.

2: Trainingsintensität/-häufigkeit
Um gefürchtete Muskelberge aufzubauen und auch zu erhalten, müssen Männer wie Frauen wirklich oft ins Studio. Menschen die so aussehen, betreiben das oft auf höherem Niveau und richten ihr ganzes Leben danach aus. Ich denke, als ganz normales Mädchen was einfach ein bisschen fit aussehen will, wird man kaum 6 mal pro Woche mehrere Stunden lang hart trainieren.

3: Abs are made in the kitchen
Hä, was will sie jetzt wieder? Dieser Spruch heißt nichts anderes, als dass die Ernährung auch passen muss, sonst wird man von euren Muskeln gar nichts oder nur kaum was sehen. Um Muskelmasse aufzubauen braucht es eine eiweißreiche Ernährung (an die 2 Gramm pro Kilogramm Körpergewicht) und das ist oftmals gar nicht so leicht zu erreichen. Um die aufgebauten „abs“, also Bauchmuskeln dann sichtbar zu machen, braucht man auch einen relativ geringen Körperfettanteil (bei Frauen ca. 18-20%). Um eine derartige Körperkomposition zu bekommen muss man wirklich akribisch auf seine Ernährung achten und das über lange Zeit. Da Frauen aber per se einen höheren Körperfettanteil haben als Männer, ist es sowieso schwieriger antrainierte Muskeln auch sichtbar zu machen.

Und wer sich jetzt immer noch Gedanken macht – wenn man nichts für den Erhalt der Muskulatur tut, verschwindet sie leider auch schneller als sie gekommen ist. Sollte also tatsächlich mal ein Muskel zu stark ausgeprägt sein, dass er euch optisch stört, hört einfach auf ihn zu trainieren, macht bissl mehr Cardio und das „Problem“ löst sich im wahrsten Sinne in Luft auf.

Also probiert es doch einfach mal aus. Kraftsport bietet viele Vorteile und vielleicht macht es euch mit der Zeit Spaß, denn das gilt als Voraussetzung, wenn man längerfristig dabei bleiben will.
Lasst euch keine Angst machen – ich glaube Leute, die euch das erzählen wollen, hatten noch nie eine Hantel in der Hand 😉 .

Quellen:
– Burd, N. A., Tang, J. E., Moore, D. R., & Phillips, S. M. (2009). Exercise training and protein metabolism: influences of contraction, protein intake, and sex-based differences. Journal of Applied Physiology, 106(5), 1692-1701. (Pdf)
– Brown, M. (2008). Skeletal muscle and bone: effect of sex steroids and aging. Advances in physiology education, 32(2), 120-126. (Pdf)

Bildquelle:
© fvasallo / pixabay.com
Bildbearbeitung: jowei Sportreporter Jokel Weiszman