Nutri-Score – sinnvoll oder verwirrend?

Nutri Score Analyse
Seit Ende 2020 taucht auf immer mehr Produkten im Supermarkt der sogenannte Nutri-Score auf. Dabei handelt es sich um eine bunte Farbskala von A bis E, die uns eine Einschätzung über die Nährwertqualität des Lebensmittels darstellen soll. Doch wie hilfreich ist dieser Score tatsächlich um sich leichter gesund zu ernähren? Ist ein weiteres Label neben den ganzen, die es bereits schon gibt, sinnvoll? Und was hat es mit der Kritik auf sich, die es dazu in letzter Zeit gibt? Ich bin dem ganzen mal genauer auf den Grund gegangen und hab es euch hier auf den Punkt gebracht 🙂

Wie kam es überhaupt zum Nutri-Score?

Seinen Ursprung hat der Nutri-Score in Frankreich. Dort wurde er von Wissenschaftlern entwickelt und umfangreich getestet. In den Studien schnitt das Label dabei sehr gut ab und stellte dabei andere ähnliche Kennzeichnungen in den Schatten.

Das waren die vielversprechenden Ergebnisse:

Vorteile Nutri-Score

Seit 2017 wird der Nutri-Score so also in immer mehr Ländern als freiwilliges Label genutzt. In Deutschland ist die Verwendung des Scores seit November 2020 rechtssicher. Aber auch hier kann er freiwillig für verarbeitete Produkte genutzt werden und ist nicht wie z.B. die Zutatenliste und Nährwerttabelle Pflicht. Aus diesem Grund findet man ihn momentan nur auf manchen Lebensmitteln. Rewe kennzeichnet beispielsweise seit diesem Jahr Produkte ihrer Eigenmarke mit dem Nutri-Score. An sich klingt das ja erstmal super, denn ich weiß wie viele sich unsicher sind was das Lesen von Zutaten und Nährtwerttabellen betrifft.

Wie wird der Nutri-Score berechnet?

Für die Einstufung in die 5 Kategorien wird der Energiegehalt mit den Inhaltsstoffen verrechnet. Dafür werden für ungünstige und günstige Nährstoffe Plus- und Minuspunkte verteilt:

Günstige Inhaltsstoffe

Ungünstige Inhaltsstoffe

Je nach Punktzahl wird das Produkt dann in die Stufen des Nutri-Scores eingeordnet. Um das ganze ein bisschen anschaulicher zu machen, verbildliche ich euch das mal in Beispielen:

Was fällt unter Nutri-Score A & B

Nutri-Score A & B

Was fällt unter Nutri-Score C&D

Nutri-Score C & D

Was fällt unter Nutri-Score E

Nutri-Score E

Was ist die Kritik am Nutri-Score Food Label?

Nichtsdestotrotz ist der Nutri-Score vor allem aus einem Grund in letzter Zeit immer wieder Thema – Das Label hat auch einige Schwachpunkte, die zurecht von Herstellern und Verbrauchern bemängelt werden.

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Starke Vereinfachung:

Lebensmittel sind wie wir alle wissen weitaus komplexer als 5 Bewertungsstufen. Es stellt sich also die Frage ob ein Label wie der Nutri-Score dieser Komplexität überhaupt gerecht wird.

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Interpretationsfehler:

Es gibt 2 grundlegende Annahmen, die der Nutri-Score sofort bei Verbrauchern auslöst, die aber schlichtweg falsch sind. Merkt euch also:

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Keine Berücksichtigung aller Inhaltsstoffe:

Grund dafür, warum einige gesunde Produkte schlechter als sie tatsächlich sind eingestuft werden, ist dass viele gute Inhaltsstoffe gar nicht mit in die Berechnung einfließen. Dazu gehören zum Beispiel:

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Label wird nicht verpflichtend sein:

Nach dem derzeitigen EU-Recht bleibt der Nutri-Score freiwillig. Da er so nicht auf allen Verpackungen erscheinen wird, macht es das dem Verbraucher schwer viele Produkte vergleichen zu können.

So kannst du Produkte selber richtig einschätzen

Oft wird kritisiert, dass der Nutri-Score die Bewertung von Lebensmitteln zu sehr vereinfacht. Detaillierte Angaben findet man allerdings auch auf allen verarbeiteten Produkten in Form von Zutatenlisten und Nährwerttabellen und es ist auf jeden Fall empfehlenswert diese abzuchecken.  Dabei wird einem aber nicht direkt eine schnelle Antwort auf die Frage nach dem Gesundheitswert geliefert. Ich zeige euch, wie man die Angaben auch als Laie richtig interpretieren kann. Denn gerade im Abnehm-Kosmos ist es wichtig, sich zu vergewissern und den Werbeversprechen von Produkten nicht blind zu trauen. 

Frühlingszwiebel Leitfaden zur Einschätzung von Lebensmitteln

Beim Blick auf die Zutaten eines verarbeiteten Produktes gibt es zwei grundlegende Dinge zu beachten:

Beispiel:

Apfelmark

Zutaten: 100% Äpfel

Apfelmus

Zutaten: Äpfel, Zucker, Antioxidationsmittel Ascorbinsäure

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Die bessere Entscheidung ist hier das Apfelmark. Es ist sehr “clean” - besteht nur aus einer Zutat und ihm wurden weder Zucker noch Zusatzstoffe zugesetzt.

Auf jedem verarbeiteten Lebensmittel findet ihr die Menge an Kalorien (Brennwert), Makronährstoffen, Zucker, Ballaststoffen und Salz (Natrium), die es enthält. Bei manchen gibts darüber hinaus sogar Infos zu den enthaltenen Vitaminen und Mineralstoffen. In der Regel wird das dann in solch einer Nährwerttabelle aufgeführt:

Nährwertangaben je 100g:

Brennwert

kJ / kcal

Eiweiß

g

Kohlen­hydrate

g

davon Zucker

g

Fett

g

davon gesättigte Fettsäuren

g

Ballaststoffe

g

Natrium

g

Diese Merkmale sprechen dafür, dass es sich um ein gesundes Produkt handelt:

Beispiel:

Apfelmark

Brennwert (100g)

56 kcal

Eiweiß

0,3 g

Kohlen­hydrate

11,6 g

davon Zucker

11,1 g

Fett

0,4 g

davon gesättigte Fettsäuren

0,1 g

Ballaststoffe

1,7 g

Salz

0 g

Apfelmus

Brennwert (100g)

73 kcal

Eiweiß

0,2 g

Kohlen­hydrate

17 g

davon Zucker

15 g

Fett

0,2 g

davon gesättigte Fettsäuren

0,1 g

Ballaststoffe

1 g

Salz

0 g

Aus folgenden Gründen ist auch die Nährwerttabelle vom Apfelmark besser:

Jeder hat außerdem eigene Präferenzen bei Lebensmitteln. Es kann euch zum Beispiel wichtig sein, dass Zutaten Bio, fairtrade, vegetarisch oder aus regionaler Landwirtschaft sind. Ich persönlich lege bei tierischen Produkten Wert darauf, dass sie zertifiziert sind. Die verschiedenen Label wie Bio, MSC, Haltungsform-Kennzeichnung etc. machen aber nochmal ein ganz neues Thema auf. Ich wollte es an dieser Stelle nur einmal kurz erwähnt haben 🙂

Checkliste Zutaten und Nährwertangaben

Mit Hilfe der Zutatenliste und der Nährwertangaben können wir also verarbeitete Lebensmittel genau einschätzen und damit entscheiden, ob sie für uns geeignet sind. Um euch das nochmal zu erleichtern, habe ich hier ein Schema, nach dem ihr Produkte kategorisieren könnt:

Bewertung Nutri Score

Fazit: was halten wir vom Nutri-Score

Der Nutri-Score stellt ein relativ simples und selbsterklärenden System dar. Vor allem Leute, die sich normalerweise nicht so sehr mit den Inhalts- und Nährstoffen der Lebensmittel beschäftigen, die regelmäßig in ihren Warenkörben landen, werden damit auch auf gesunde Ernährung aufmerksam gemacht. Wer sich sowieso schon mit Ernährung beschäftigt, braucht ihn im Grunde nicht so sehr.  Für einen ersten Eindruck über das Produkt, kann der Nutri-Score da trotzdem hilfreich sein. Ich würde es aber durchaus empfehlen sich zusätzlich noch über die Zutaten und Nährwerten zu informieren. Vor allem wenn man die zugeordnete Nutri-Score Stufe nicht ganz nachvollziehen kann, schadet es generell nicht das Produkt selbst einmal nach dem A, B & C des Frühlingszwiebel Leitfadens einzuschätzen 😛

Pro Nutri-Score

Contra Nutri-Score

Wie steht ihr zum Nutri-Score? Habt ihr nach dem Lesen des Blogposts eine bessere Orientierung beim Einschätzen von Lebensmitteln bekommen? Fragen und Feedback könnt ihr wie immer gern in den Kommentaren da lassen.

Eure Stef <3

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4 Kommentare zu „Nutri-Score – sinnvoll oder verwirrend?“

  1. Hey Stef
    Vielen Dank dafür das du dir soo große Mühe machst uns gesundes Essen „zu erklären“!

    Schönen Tag noch
    Gruß Dirame06

  2. Hallo Stef,

    vielen Dank für den hilfreichen Blog-Beitrag. Ich habe die Nutri-Scores schon eine Weile gesehen und einige Bewertungen waren für mich sehr verwirrend. Deine Erklärung hat mir sehr geholfen, da ich jetzt weiß, dass sich der Nutri-Score nicht auf alle Eigenschaften des Einzelproduktes bezieht.

    Ich wünsche einen schönen Tag ,
    Liebe Grüße Mio

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